Porträt - Geschichte

Vorgeschichte der Stiftung

Anfangs der siebziger Jahre stellte sich eine auf Initiative der Schulgemeinde Kloten gebildete Arbeitsgruppe die Aufgabe, für Menschen mit Behinderung, welche aus den heilpädagogischen Schulen entlassen wurden, Arbeitsplätze zu schaffen. Diese Arbeitsgruppe empfahl im Februar 1973 die Planung einer Werkstätte mit Wohnheim für die Bezirke Bülach und Dielsdorf, mit Sitz in Bülach.

Die Gemeinden Bülach, Kloten und Rümlang bildeten daraufhin eine Kommission zur weiteren Abklärung. Diese löste sich 1975, nach dem Austritt der Stadt Kloten, ohne konkretes Ergebnis auf.

1978 – in Zusammenarbeit mit der 'Stiftung Altried' und dem 'Elternverein geistig Behinderter Zürcher Unterland' – am Unterweg 25 in Bülach eine Werkstatt mit anfangs 7 Mitarbeiterinnen mit Behinderung eröffnet werden.

Ebenfalls 1978 kam die in dieser Sache tätige Kommission der Stadt Bülach zum Ergebnis, dass für diese Aufgabe eine regionale Stiftung für das Zürcher Unterland, das Glattal und die Region Kloten ins Leben gerufen werden sollte.

28 politische Gemeinden sowie einige Privatpersonen und Organisationen errichteten schliesslich auf Anfang 1981 die «Stiftung Glattal und Unterland» und zeichneten für ein Stiftungskapital von CHF 1'266'250.00.

Im November 1999 stimmte der Stiftungsrat einer neuen MISSION, der Wegbeschreibung in die Zukunft der Stiftung, einstimmig zu.

Mit Stichtag 13. Mai 2000 wurde mit Pigna Raum für Menschen mit Behinderung ein neues Corporate Identity realisiert. Dieses steht in Einklang mit den Werten aus der Mission: Unterstützung, Achtung, Transparenz und Partnerschaft.

Pigna, ein Name mit weitgreifender Bedeutung. Der sanfte Klang und die Assoziation mit Lebensfreude und mediterraner Wärme verweisen positiv auf die Tätigkeiten der Stiftung. Als immergrüner, ständig fruchttragender Baum im Mittelmeerraum ist die Pinie, und symbolisch auch der Pinienzapfen, ein Sinnbild des Lebens und der sich erneuernden Lebenskraft.

Bedeutung von Pigna Heute

Die Veränderungen in den Wertvorstellungen unserer Gesellschaft blieben für Menschen mit Behinderung nicht ohne Folge. Ein Mittragen in Grossfamilien und die Beschäftigung auf dem Hof oder in kleineren Gemeindebetrieben ist heute kaum mehr möglich.

Die frühe Förderung und Schulung in heilpädagogischen Sonderschulen lässt auch für Menschen mit Behinderung eine ganzheitliche Entwicklung in allen Lebensbereichen zu. Diese Entwicklung geht jedoch verloren, wenn im Anschluss an die Schule nicht der Anspruch auf berufliche Förderung, Ausbildung oder Beschäftigung abgedeckt werden kann. Menschen mit Behinderung sind, bezogen auf ihre Möglichkeiten, in der eigenen Leistung oft eingeschränkt. Sie benötigen eine Umgebung, die auf ihre besondere Situation Rücksicht nimmt. Dies bedeutet, dass Pigna Raum für Menschen mit Behinderung Rahmenbedingungen schaffen muss, welche es erlauben, dass diese Menschen ihre Möglichkeiten und Fähigkeiten ausschöpfen können. Damit ist es ihnen auch möglich, eine sinnvolle Tagesstruktur zu leben und oft sogar einen Teil an ihren Lebensunterhalt selber zu verdienen.

Durch bedarfsgerechte und bedürfnisorientierte Begleitung finden Menschen mit Behinderung bei Pigna den ihnen entsprechenden Wohn-, Arbeits- und Lebensraum. Basis dafür ist das Leben von erwachsenen Menschen in unserer Gesellschaft und das Prinzip der Normalisierung.

Ziel, Zweck und Aufgabe von Pigna

Die Stiftung Pigna ist ein von Bund und Kanton Zürich anerkanntes Soziales Unternehmen und im Sinne von Art. 80 ff ZGB eine gemeinnützige Institution. Sie ist politisch und konfessionell neutral. Sie bezweckt die Förderung, berufliche Ausbildung, Eingliederung und Beschäftigung von Frauen und Männern mit Behinderung, vorrangig mit Wohnsitz im Zürcher Glattal und Unterland.

Der Leistungsauftrag ist die Betreuung von Menschen mit Behinderung in geschütztem Lebens-, Arbeits- und Wohnraum. Pigna setzt sich für Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft ein und führt in der Stadt Kloten das Gasthaus Hans im Glück. Pigna ist ein vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) und der IV anerkannter Lehrbetrieb und Partnerorganisation von verschiedenen Schulen und Ausbildungsstätten im Personalbereich und der Erwachsenenbildung.

Als Leitidee gilt die Förderung der Lebensqualität der mit Pigna in Beziehung stehenden Menschen mit Behinderung durch ein differenziertes Angebot an Ausbildungs-, Arbeits- und Wohnmöglichkeiten und durch Massnahmen zur Integration in unsere Gesellschaft.

Pigna positioniert sich mit eigenen Normen und Werten in ihrem Umfeld. Nach innen gewährleistet sie die Neutralität gegenüber Menschen aller Herkunft. In ihrem Beziehungssystem sind alle Menschen gleich an Würde und Recht.

Dienstleistungsangebote von Pigna

Pigna bietet heute in verschiedenen Wohnformen 111 Wohnplätze, 55 Plätze in der Tagesstätte sowie in zwei Werkstätten und einem Dienstleistungsbetrieb insgesamt 170 Arbeits- und Beschäftigungsplätze in den Bereichen Ausbildung, Dauerwerkstätte, Hauswirtschaft, Gastronomie, Wäscherei, Hauswartung, Kleintiergarten und Beschäftigung an.

In unserem «Lebensraum» nimmt das 365 Tage im Jahr geöffnete Gasthaus Hans im Glück einen besonderen Platz ein. Zusammen mit Gastronomieprofis und Lernenden arbeiten Menschen mit Behinderung in einem öffentlichen Gasthaus. Unsere Gäste aus nah und fern sollen sich darin «ein bisschen zuhause fühlen» und lassen sich mit kulinarischen Leckerbissen und ausgesuchten Weinen verwöhnen.

Der Dienstleistungsbetrieb ist für die Bewirtschaftung unserer Liegenschaften und Anlagen zuständig und betreibt eine Wäscherei für den internen Bedarf. Er ist ausserdem verantwortlich für die Bewirtschaftung der verschiedenen Kleintieranlagen und die Infrastruktur der Therapieangebote. Für das Gasthaus Hans im Glück stellt er die Einsatzgruppe mit 10 Mitarbeiterinnen mit Behinderung und zwei ausgebildeten Betreuungspersonen zur Verfügung.

Die Tagesstätte bietet schwer behinderten Menschen einen strukturierten Tagesablauf mit individuell abgestimmten Therapie- und Beschäftigungsprogrammen. Der Tagesstätte zugeteilt sind zudem der interne Medizinische Dienst von Pigna sowie der Seniorentreff für unsere Bewohnerinnen im Ruhestand.

In unserem «Arbeitsraum», in der Werkstatt Müliwies in Kloten und der 2005 neu errichteten Werkstatt Engelwisen in Bülach, übernehmen behinderte Mitarbeiterinnen, unterstützt und betreut von Fachkräften, die verschiedensten Auftragsarbeiten für Industrie, Gewerbe und Verwaltung und stellen Produkte im Bereich Papier, Glas und Textil her. Es stehen geschützte Dauerarbeitsplätze, IV-Anlehrstellen, Arbeitsabklärungen, Arbeitstrainings und Beschäftigungsplätze zur Verfügung. Im Angebot sind weiter ein persönliches Kursprogramm (Schulung, Sport, Kreativität), Einsatzprogramme für Langzeitarbeitslose über RAV oder Drittinstitutionen sowie ein internes Personalrestaurant und eine Kundenwäscherei.

In unserem «Wohnraum», im Hauptbetrieb Wohnhaus Graswinkel und an drei weiteren Standorten im Zürcher Unterland, haben behinderte Bewohnerinnen ein von Berufsleuten begleitetes Zuhause mit einem differenzierten Wohnangebot. Dies ermöglicht es den Einzelnen, im Rahmen der eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten zu wohnen, den Tagesablauf zu strukturieren, die Freizeit zu gestalten und die notwendige medizinische und pflegerische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Eine spezielle Unterstützung sind die das ganze Jahr zur Verfügung stehenden Ferien- und Notplätze. Die medizinische Betreuung und Spitex-Dienste, ein Therapiebad, ein Gymnastikraum, ein abwechslungsreiches Ferienangebot, eine vielfältig gestaltete Umgebung sowie verschiedene Kleintiergehege mit Esel, Ziegen und Ponys runden das Angebot ab.

Eine besondere Dienstleistung unseres Sozialen Unternehmens ist die eigene Fachstelle für Sozial- und Lebensberatung. Hier finden ratsuchende Menschen mit Behinderung, deren Angehörige oder unser eigenes Personal kompetente Hilfestellung in allen Lebensfragen und Unterstützung im Zusammenhang mit den Sozialversicherungen.

Die direkte Mitsprache von Menschen mit Behinderung ist in allen Betrieben durch Delegiertenversammlungen und Vollversammlungen gewährleistet.

Finanzielles

Den beschriebenen Leistungsauftrag erfüllt Pigna mit einem Personalbestand von 146 Personalstellen und Auszubildenden, welche ein Aufwandbudget von ca. 18.8 Mio. Franken im Jahre 2012 zu bewältigen haben.

Ca. 1/3 der notwendigen Mittel wird über Erträge erwirtschaftet, rund 2/3 der nicht gedeckten, invaliditätsbedingten Betriebskosten werden über Leistungsverträge mit dem Kanton Zürich aus Mitteln der Invalidenversicherung abgerechnet. In diesen Zahlen nicht enthalten ist das Gasthaus Hans im Glück, welches mit separater Rechnung (Budget 1.75 Mio. Franken) und ohne Betriebsbeiträge der Invalidenversicherung geführt wird.

Für den Erhalt unserer Leistungen für die Menschen mit Behinderung auf qualitativ hohem Niveau, für die Weiterentwicklung unserer Angebote und für den Kapitalerhalt der Stiftung sind wir auf Spenden dringend angewiesen.